Fate Unlimited/Codes

Die „alte Dame’’, so, wie die PlayStation 2 seit geraumer Zeit gerne mal bezeichnet wird, ist einfach nicht totzukriegen. Vor allem auf dem japanischen Markt erscheinen immer noch viele Spiele, worunter sich nicht nur Billigproduktionen, sondern auch einige interessante und hochwertige Titel befinden. Interessant dürfte  Fate/Unlimited Codes, ein Beat’em up, welches auf dem bekannten Fate-Universum basiert und bereits in den japanischen Arcades erschienen ist, auf alle Fälle sein. Ob die Arcadeumsetzung allerdings auch als hochwertig bezeichnet werden kann, werde ich in meinem nachfolgenden Review klären.

Aufklärungsbedarf

Für alle, die nicht wissen, worum es sich bei der Visual Novel- und Anime-Reihe „Fate’’ handelt, kurz ein paar aufklärende Sätze: Mit Fate Stay/Night erschien im Jahre 2004 ein エロゲー („Erotik“) Visual Novel für den PC; diesem folgte 2005 das Sequel Fate/hollow. Im Falle von Fate Stay/Night dreht sich alles um Shiro Emiya, welcher mithilfe seines weiblichen „Servants’’ Saber in den Legenden umworbenen Kampf um das so genannte „Holy Grail’’ eintritt, um andere Menschen zu beschützen und den möglichen Missbrauch der Macht des heiligen Grals zu verhindern. So viel zur Story hinter Fate/Stay Night. Der gleichnamige Anime basiert übrigens auf der Geschichte des Spiels und wurde 2005 vom japanischen Studio Deen produziert. Jener  ist außerdem ebenso wie die 2007 erschienene PS2-Fassung des Visual Novels frei von erotischem Material. Darüber hinaus erschienen innerhalb des Fate Universums noch ein Light Novel und eine Manga-Adaption von Nishiwaki Datto - letztere wurde durch Tokyo Pop auch im Westen veröffentlicht.
Das sollte als kleine Einleitung in das Thema genügen. Für den Test von Fate Unlimted/Codes sind diese Hintergründe auch eher von geringer Bedeutung, da es sich wie bereits erwähnt um ein Beat’em up handelt, welches überdies auch nur in Japan erschienen ist – womit die Story des Spiels für die meisten westlichen Spieler während des Spielens mangels Japanisch-Sprachkenntnissen so oder so nicht nachvollziehbar sein dürfte. Wem das gesamte Universum, das hinter dem Spiel steckt, schlicht egal ist, der darf an dieser Stelle aufatmen, denn im nächsten Abschnitt komme ich zum Spiel und seinen Qualitäten.

Ein Visual Novel versucht sich als Beat’em up – kann das gut gehen?

Im Falle von Fate bietet sich ein Beat’em up geradezu an, da die Serie von den Kämpfen der Servants maßgeblich geprägt wird. Das von Cavia (u.a. Bullet Witch) entwickelte Spiel basiert wie erwartet auch auf den Kämpfen jener Servants. Zunächst einmal sei gesagt, dass Fate/Unlimited Codes trotz seiner 3D Optik mehr ein 2D als ein 3D Beat’em up darstellt, denn besagte Kämpfe verlaufen bis auf die Tatsache, dass man die Möglichkeit hat, mit den Schultertasten zur Seite auszuweichen, in altbekannter 2D Mechanik. Dies führt natürlich auch zu einem gewissen Spieltempo, sowie einer erhöhten Priorität der (Spezial)Kombos. Letztere nehmen während der Kämpfe ein großes Gewicht ein, weshalb die meisten Kämpfe durch eben diese Kombos entschieden werden. Im Mittelpunkt des Ganzen steht das ’’Holy Grail’’-Symbol, welches zwischen den beiden Lebensleisten der Kontrahenten platziert wurde und sich während des Kampfes durch jede einzelne erfolgreich vollendete Attacke weiter auffüllt, bis es schließlich anfängt zu leuchten. Der Clou an der Sache ist, dass nur einem der beiden Kämpfer die Macht des durch das Holy Grail möglichen Spezial-Angriffes zugesichert wird. Nur derjenige, der den Angriff ausführt, durch welchen das Holy-Grail-Symbol komplett gefüllt wird, kann den stärksten Angriff im gesamten Spiel ausführen, um seinem Gegner gehörig zu schaden. Gelingt diesem Spieler der Angriff allerdings nicht, so steht die Holy Grail-Energie weiter zur Verfügung, so dass ein weiterer normaler Angriff genügt, um das Grail erneut zu füllen. Aus diesem Grund sollte man stets versuchen, den Spezial-Angriff auch erfolgreich auszuführen, da sonst womöglich kurze Zeit später der Gegenspieler die Möglichkeit hat, diesen anzuwenden. Eine weitere wichtige Symbolleiste befindet sich am unterer Bildschirmrand, wobei hier nun jeder der beiden Kämpfer über eine eigene Leiste verfügt. Diese „EX’’-Leiste füllt sich sowohl durch eingesteckte Treffer als auch durch erfolgreiche Angriffe und ist dabei in drei gleichgroße Zonen aufgeteilt. Ist die Leiste ausreichend aufgefüllt, so kann man für jeden der insgesamt 17 Charaktere individuelle Spezialattacken ausführen oder per Knopfdruck seine Lebensenergie auffüllen; die meisten Spezial-Angriffe benötigen hierbei nur eine einzige aufgefüllte Zone, um vollendet werden zu können.
Da es sich bei Fate/Unlimited Codes um ein sehr schnelles und kombolastiges Beat’em up handelt, ist in erster Linie eines gefragt: das richtige Timing. Wer versucht hier einfach wild auf die Tasten des Controllers zu drücken, den bestraft das Spiel umgehend. Dies liegt vor allem auch daran, dass das Spiel auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Spezielangriffe setzt, denn keiner dieser Angriffe reicht alleine dazu aus, um die Energie des Gegners gravierend zu dezimieren. Den Charakteren steht relativ viel Lebensenergie zur Verfügung, was ein schnelles Ende des Kampfes durch nur wenige erfolgreiche Spezialangriffe ausschließt. Dieser Komplex hebt das Spiel von den meisten anderen Genrekonkurrenten ab, gestaltet sich jedoch vor allem zu Beginn recht schwierig, weswegen man sich etwas länger mit Fate/Unlimited Codes auseinandersetzen muss, sofern man es gut beherrschen und den eigentlichen Reiz des Spiels ausnutzen möchte.

Insgesamt verfügt Fate/Unlimited Codes über eine ausgiebige Modi-Palette, welche sich aus Arcade-, VS.-CPU-, Zweispieler-, Trainings-, Mission- und Survival-Modus zusammensetzt. Darüber hinaus gibt es auch noch einen Tutorial-Modus, der einem die verschiedenen Angriffe näherbringt und somit dabei hilft, besser ins Spiel zu finden.
Zu den einzelnen Modi brauche ich wohl nicht allzu viel zu sagen, da man sie schon von etlichen anderen Beat’em ups her kennen dürfte. Der Arcade-Modus wird von der Hauptstory des Spiels begleitet, die mit Hilfe von Standbildern und Textboxen erzählt wird. Hier tritt man in gewohnter Manier nach und nach gegen die in die je nach ausgewähltem Charakter anders in die Story eingebundenen Kontrahenten an. Durch das Durchspielen des Arcade-Modus’ lassen sich sowohl Geheimcharaktere als auch andere Boni wie etwa neue Kostüme oder Galerien freischalten. Im VS.-CPU-Modus kann man sich hingegen seine Widersacher und die dazugehörigen Schauplätze selber aussuchen, ohne dabei von Dialogen geplagt zu werden. Hat man den Dreh noch nicht heraus und muss andauernd Prügel einstecken, oder will man seine Fähigkeiten einfach nur verbessern, so wählt man am besten den Trainings-Modus aus, um dort zu trainieren was das Zeug hält. Im Missions-Modus gilt es hingegen seinen Gegner mit vorgeschriebenen Angriffen zu erledigen – nur so schaltet man neue Missionen frei. Dieser Modus motiviert zwar dazu, auch wirklich jeden Angriff beherrschen zu wollen, ist aber für Spieler ohne Japanischkenntnisse höchsten mit Tutorials aus dem Internet meisterbar, da die Anweisungen komplett in Japanisch gehalten wurden. Wer es darauf anlegt, möglichst viele Gegner zu plätten ohne dabei zwischenzeitig besiegt zu werden, für den dürfte der Survival-Modus genau die richtige Herausforderung darstellen. Jene Spieler werden nach 32 Siegen in Folge dann mit einem neuen Schwierigkeitsgrad belohnt. 

Anime-Look vom Feinsten

Reichlich Inhalt bietet das Fate/Unlimited Codes also, doch wie schaut es mit der Präsentation aus? Das Spiel wurde, wie zu Beginn erwähnt, in einer 3D Optik gehalten, was ihm auf keinen Fall schadet, denn die farbenfrohe Grafik weiß durchaus zu überzeugen. Die Charaktere verfügen über flüssige Animationen und werden detailreich dargestellt, weswegen sie weitestgehend ihrem Anime-Original entsprechen. Mit Effekten wird bei Fate Unlimited Codes ebenfalls nicht gegeizt, so zieren diese vor allem während der Spezial-Angriffe den Bildschrim und lassen ein nettes Anime-Flair aufkommen. Einzig die Arenen wirken etwas detailarm und hätten ruhig noch mehr Leben vertragen können, wenngleich sie denen des Anime originalgetreu nachempfunden wurden. Insgesamt kann man die optische Präsentation des Spiels als sehr gelungen bezeichnen, was in erster Linie daran liegt, dass es die Entwickler geschafft haben, das Universum rund um Fate authentisch auf das Beat’em up-Genre zu übertragen. Dasselbe gilt übrigens für den Sound, welcher sehr passend wirkt und das Spielgeschehen gelungen untermalt. Hervorzuheben ist an dieser Stelle zudem das sehr schöne Titellied Mata Ashita ne/code’’ von Sachi Tainaka.

Fazit

Alles in allem ist Fate Unlimited Codes ein überzeugendes Beat’em up, welches das Genre zwar nicht neu erfindet, aber trotzdem nicht altbacken wirkt. Das schnelle, auf Kombos ausgelegte Spielsystem, wirkt in vielerlei Hinsicht frisch und motivierend. Neben der gelungenen Präsentation des Fate-Universums sorgen vor allem die vielen Modi sowie das breite Charakterfeld für gute Beat’em up-Kost mit ausreichend Anime-Flair. 

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